Rezepte mit Kräutern

Wolle färben mit Naturfarben: So wird’s gemacht

Mit Naturfarben färben – genau das Richtige, um sich in Zeiten von industriellem Farbwahn auf mittelalterliche Traditionen zurückzubesinnen. In mehreren Arbeitsschritten entstehen wunderschöne Muster und Farbkombis, Sprenkel und Marmorierungen, die sich wahrhaft sehen lassen können.

„Gut Ding braucht Weile“ heißt es so schön. Auch beim traditionellen Färben sollten Sie sich mehrere Tage Zeit nehmen. Wie bei unseren Vorfahren im Mittelalter geht es ans Sammeln von Kräutersorten und Co., Verarbeiten, Kochen und Rühren, bis die Wolle in neuer Farbe erstrahlt.

Färben mit Naturfarben: Das Färbemittel

In meinem Beitrag Ostereier natürlich färben finden Sie bereits einige pflanzliche Färbemittel, mit denen auch Wolle in neuem Farbglanz erstrahlt. Neben Zwiebelschalen, Färber-Waid und Rote Bete wurden für Textilien allerdings auch tierische und mineralische Bestandteile, wie das Gehäuse der Purpurschnecke, genutzt. Das Textilfarben-Lexikon gibt hier einen kompakten Überblick.

Aufgrund der gezielten Nachfrage habe ich zwei Rezepte für braun und rot zum Färben einer typischen Wikinger-Tunika herausgesucht:

Rote Farben herstellen mit Krapp

Der Färberkrapp oder auch Rubium ist eines der ältesten Mittel zum Färben mit Naturfarben und wurde bereits von den Ägyptern, Römern und Persern zum Färben genutzt. In Deutschland kommt er leider nur noch sehr selten wildwachsend in Rheinland-Pfalz und Sachsen vor, daher lohnt sich im Fall der Fälle eine Bestellung, zum Beispiel hier. Regionale Alternativen sind unter anderem Labkräuter und Walnussschalen.

Für ein dunkles Rot lassen Sie 500g geschnittene Krappwurzel 16 Stunden in einem Kupfertopf (siehe Zutatenliste) mit 25l Wasser einweichen. Anschließend werden die festen Bestandteile mit einer Nylonstrumpfhose abgesiebt. So können Sie rote Farben herstellen.

Braune und gelbe Farben herstellen mit Zwiebelschalen

Für 200g Wolle 400g Zwiebelschalen in einem Topf mit Wasser auskochen. Da es keine Mengenangaben gibt, müssen Sie hier abschätzen. Es sollte genug Flüssigkeit sein, um später die Wolle vollständig zu bedecken. Nun filtern Sie die Zwiebelschalen aus der Brühe, damit diese nicht später in der Wolle hängenbleiben. Wird die sogenannte „Färbeflotte“ ein zweites Mal verwendet, entsteht ein Hellgelb.

So können Sie braune und gelbe Farben herstellen.

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Neue Farben für die Wolle

Mit der roten und braunen Farbflotte kann das Färben mit Naturfarben nun losgehen. Diese Zutaten brauchen Sie:

  • Große 12-25l-Töpfe: Kupfertöpfe sind am besten, da Farben länger halten. Töpfe danach nicht mehr zum Kochen verwenden!!!
  • Einen 5l Edelstahltopf zum Beizen
  • Weißer Wollstoff oder -garn
  • Färbemittel
  • Alaun: Ungiftiges Beizmittel, das bei den meisten pflanzlichen Färbemitteln als Bindungsmittel benötigt wird

Weitere nützliche Hilfsmittel:

  • Gummihandschuhe
  • Messbecher
  • Küchenwaage
  • Schnüre zum Abbinden von Garnsträngen
  • Löffel zum Umrühren
  • altes Thermometer zum Kontrollieren der Farbflotte
  • Waschschüsseln
  • Shampoo oder Wollwaschmittel

 1.Schritt: Beizen

Bevor man die Wolle mit Naturfarben färben kann, muss sie mit Alaun gebeizt werden. Das Salz erhalten Sie in Apotheken und im Naturwarenversand, wie zum Beispiel hier. Für 100g Wolle erwärmen Sie 3l kalkarmes Wasser im Edelstahltopf auf etwa 40 Grad und lösen darin unter Rühren für helle Farbtöne 15g, für dunkle 25g Alaun auf. Nun geben Sie die feuchte Wolle in die Beize und erwärmen diese langsam auf fast 90 Grad. Damit die Beize gleichmäßig aufgenommen wird, die Wolle ab und zu wenden. Nach 1 Stunde lassen Sie die Wolle langsam in der Beize abkühlen, nehmen sie heraus und lassen sie trocken.

2.Schritt: Färben

Die fertig gebeizte Wolle kann nun ein Bad in der Färbeflotte nehmen. Geben Sie darum die abgekühlte Wolle in den kühlen Farbsud und erhitzen Sie beides langsam auf max. 90 Grad. Kontrollieren Sie regelmäßig mit einem Thermometer, denn wird der Sud zu heiß, verfilzt die Wolle. Das Erhitzen über dem Holzfeuer bleibt den Fortgeschrittenen überlassen, denn die Temperatur lässt sich hier nur schwer regulieren. Die Wolle muss nun 1 Stunde lang erhitzt werden, um danach mehrere Stunden lang auszukühlen. Im kalten Zustand zeigt sich die wahre Farbe der Wolle.

3.Schritt: Waschen

Die abgekühlte, frisch gefärbte Wolle muss nun solange ausgespült werden, bis das Wasser klar bleibt. Manche Quellen empfehlen, der Wolle jetzt noch Essig zuzugeben, um die Farbe zusätzlich zu fixieren. Shampoo oder Wollwaschmittel verleihen der Wolle dabei einen angenehmen Duft. Generell gilt auch hier: Die Natur ist in ihrer Wirkung unberechenbar. Es gibt also keine hundertprozentige Wahrscheinlichkeit, dass genau der Farbton beim Färben mit Naturfarben entstanden ist, den Sie sich vorgestellt haben. Wem die Farbe zu blass ist, kann jetzt noch einen zweiten Färbegang einlegen.

Viel Erfolg beim Färben!

Quellen:

http://www.viatores-temporis.de/handwerk/farbexperimente.html

http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/querbeet/garten-portraits/ringelblume-freilandmuseum-bad-windsheim100.html

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