Kräutersorten/ Ratgeber

Geheimnisvolle Zauberwurzel: Die Alraune

Die Gemeine Alraune (Mandragora officinarum) ist eine sehr giftige Heilpflanze, die aber nicht nur wegen ihrer Wirkung, sondern zuallererst wegen ihrer kulturgeschichtlichen Bedeutung bekannt ist.

Als ich zum ersten Mal von einer Pflanze mit diesem Namen hörte war das nicht etwa im Biologie-Unterricht, sondern in einem Buch. Harry Potter Fans wissen was ich meine: Im zweiten Teil der Reihe müssen die Schüler von Hogwarts sich mit der Zucht dieser seltenen und mächtigen Zauberpflanzen auseinandersetzen. Ihr Schrei, so heißt es, sei tödlich. Im Buch sehen die Wurzeln des Krautes wie „kleine, schmutzige und extrem hässliche Babys“* aus. Dieser Aberglaube geht zum einen auf die Gestalt der Wurzeln zurück, die manchmal ein wenig dem menschlichen Körper ähneln, zum anderen wohl auf den mittelalterlichen Volksglauben.

Die Alraune ist aber schon viel früher in Zeitzeugnissen aufgetaucht. So lässt eine babylonische Keilschrift aus dem Jahre 2000 v. Chr. den Schluss zu, dass die Wurzel als Mittel gegen Zahnschmerzen verwendet wurde. Auch Hildegard von Bingen erwähnte die Pflanze. Eigenartiger Weise gegen zu starken Geschlechtstrieb (der Alraune wird sonst eine aphrodisierende Wirkung nachgesagt!). Die Nonne war ansonsten der Ansicht, dass in der Alraune das Böse wohne und sie darum vor der Anwendung gründlich gereinigt werden müsse.

Neben dieser etwas eigentümlichen Ansicht wurde die Wurzel der Alraune außerdem schon sehr früh (wahrscheinlich noch vor dem Mittelalter) als Betäubungsmittel eingesetzt. Die Legenden, die sich seit jeher um die „Zauberpflanze“ ranken, wurde in den Kräuter-Almanchen des 16. und 17. Jahrhunderts fortgesetzt und haben sich bis heute in der einen oder anderen Form gehalten. Daran sind nicht nur abergläubische Zeitgenossen Schuld: Die Literatur bediente sich in vielfachen Auswüchsen der Aura dieser Pflanze. Die Erwähnung in Rowlings Romanen ist da nur die Spitze des Eisbergs. Wer sich für die detaillierte Kulturgeschichte der Alraune interessiert, sollte den zugehörigen Artikel auf Wikipedia lesen.

Ein Artikel über die Bedeutung der Alraune als Heilpflanze erscheint demnächst hier auf Kräuterallerlei.

*J.K. Rowling: Harry Potter an the Chamber of Secrets, London 1998, S. 103.

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