Kräuter als Heilmittel/ Kräutersorten

Hildegard von Bingen: Lein für Magen und Darm

Hildegard von Bingen: Lein für Magen und Darm

Keine Delikatesse, dafür wirksam: Die Leinpflanze ist zierlich, unaufdringlich, mit blauen, rosa, gelben oder weißen Blüten. Aus ihr lassen sich Leinsamen (die Saat) und Leinen (der Stoff) gewinnen.Als pflanzliches Heilmittel setzt man den Samen ein, bevorzugt für eine bessere Verdauung, bei Blähungen und Verstopfung.

Geschichte und Erzeugnisse aus Lein

Lein oder Flachs gehört zu den ältesten und beliebtesten Kulturpflanzen. Die Bezeichnung „Usitatissimum“ bedeutet „Der sehr Nützliche“. Aus den Stängeln des Leins wurde schon früh Leinen gewoben. Die Leinsamen liefern das Leinöl, das im mittleren Europa des Mittelalters das alleinige pflanzliche Fett war. Die Rückstände bei der Ölgewinnung, der Presskuchen, verfütterten Bauern an das Vieh (weswegen man Lein auch als „Stallkraut“ bezeichnet).

Verwendung von Leinsamen in der Pflanzenheilkunde

In der pflanzlichen Heilkunde kommt der Leinsamen (Semen lini) zur Anwendung. Er enthält Ballaststoffe und Schleimstoffe sowie pflanzliches Eiweiß und Linolensäure. Die Ballaststoffe regeln die Verdauung und die Schleimstoffe legen sich mit einem dünnen Film über (entzündete) Schleimhäute, um sie vor Säuren zu schützen.

Wuchs und Ernte

Landwirte bauen Lein heute nahezu überall in unseren Breiten an. Er  ist anspruchslos, aber verträgt keine Nässe. Lein blüht von Juni bis August, von August bis September ist die beste zur Ernte.

Anwendung  bei:

Schon Hildegard von Bingen rühmte die entzündungshemmende, schmerzstillende und aufweichende medizinische Wirkung des Leinsamens.
Umschläge mit gemahlenem Leinsamen wirken erweichend bei Geschwüren, Furunkeln und Akne. Innerlich hilft der Leinsamenschleim bei Magen-und-Darm-Entzündung, die Schleimstoffe überziehen die Schleimhäute mit einem schützenden Film. Zerstoßener Leinsamen reguliert mit seinen Ballaststoffen den Stuhlgang, regelt die Verdauung, hilft gegen Blähungen. Achtung: Nicht bei Darmverschluss anwenden!

Rezept Kataplasma (Leinsamenumschlag)

Verrühren Sie 50 g zermahlenen Leinsamen mit heißem Wasser zu einem dicken Brei. Dick auf Verbandsmull auftragen, auf die kranken Stelle(n) legen und 30 Minuten wirken lassen. Zwei bis drei Mal am Tag wiederholen.

Rezept Leinsamenschleim (bei Magen-Darm-Entzündung)

Zwei bis drei Esslöffel geschroteten Leinsamen zwölf Stunden lang in einem halben Liter kalten Wasser einweichen und danach mit einer Prise Salz aufkochen. Auf nüchternen Magen oder zwischen den Mahlzeiten essen, damit die Wirkstoffe auf die entzündete Schleimhaut wirken können.

Rezept geschroteter Leinsamen (zur Darmregulierung)

Ein bis dreimal täglich einen Esslöffel geschroteter Leinsamen mit ein bis zwei Gläsern Buttermilch oder Mineralwasser einnehmen. Bitte etwas Geduld haben, Leinsamen ist kein sofort wirkendes Abführmittel. Den Schrot nicht einweichen, denn er soll ja erst im Darm aufquellen.

Wichtig: ausreichend Flüssigkeit

Reichlich Flüssigkeit zu sich nehmen, denn wenn Leinsamen die notwendige Menge an Flüssigkeit zum Aufquellen fehlt, kann dies zu Darmverschluss führen. Leinsamen dürfen bei Darmverschluss nicht angewendet werden.

Quelle:
Heilung aus dem Klostergarten von Angelika Finke

Bild: Pixelio, 395088, Angelika Wolter

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